Dienstag, 29. Juli 2008

Der Glutkessel - Jenseits der Wahrnehmung

Die beiden letzten Tage in Tokyo sollten nochmal zur Hölle werden. Vor allem weil das Wetter nochmal 1-2 Schippen Kohle nachfeuerte. Es waren dann zwar nur 34 Grad, aber eine Luftfeuchtigkeit, die mein T-Shirt nichtmal eine Stunde am Tag trocken ließ. Dienstag haben wir dann eine erbarmungslose Wanderung durchgezogen, weil wir der Meinung waren, dass nur U-Bahn ja auch irgendwie langweilig sei. Also sind wir einmal um den Kaiserpalast gewandert, wobei wir ab und zu Abstecher zu Dingen gemacht haben, die interessant aussahen. So gelangten wir auch zu einem Tempel in dem die Kriegsopfer geehert wurden. Im Tempelmuseum standen eine Zero mit passendem MG und etwas Artellerie...ähm ja. Zu kaufen gabs Bücher wie man am besten Krieg führt und dazu passend die alte japanische Flagge. Es handelte sich bei dem Tempel übrigens um den selben, wofür Japan mindestens einmal pro Jahr einen Rüffel bekommt.

Wie dem auch sei. Wir sind dann weiter durch Ginza, der Edelmeile, am Kabukitheater vorbei, am Fischmarkt in Tsukiji vorbei und dann so lange weiter gradeaus, bis wir auf einer der künstlich im Meer angelegten Inseln waren, wo unter anderem das Tokyo Big Sight (Messe) zu sehen ist. Abends sind wir dann nochmal auf der selben Insel nach Odaiba, laut Reiseführer ein Amusement-Center. Mittlerweile schon dunkel hatte man hier über die Bucht von Tokyo einen grandiosen Ausblick auf die Skyline, die wie es dann auch nicht anders zu erwarten war voll mit japanischen Pärchen bestaunt wurde -.- Wenn man also eine Japanerin abschleppen möchte sollte man hierherkommen denk ich mal.
Wir sind dann schnell abgedüst, es war mittlerweile 22h, zurück zum Hotel.

Der letzte Tag war dann nochmal noch heißer. Morgens schafften wir es grad mal die Todai (Uni) zu besichtigen und in der Mittagssonne haben wir uns die Zeit in einem schattenspendenden Park vertrieben. (Auch wenn das Bild grade keinen Schatten zeigt ;)) Sind dann nochmal Shinjuku angucken gefahren, zumal dort auch unser Bus um 23h losfahren sollte. Naja Shinjuku angeguckt. Viele große Gebäude, toll. Mit zunehmender Reisedauer und Hitze war die Wahrnehmung halt nicht mehr so toll wie am ersten Tag ;)

Naja ich schaffte es noch mich daran zu erinnern Omiyage zu kaufen. Was ist das? Nun ja, wenn Japaner verreisen, sind sie stets am Essen der bereisten Region interessiert. Omiyage sind Mitbringsel für Kollegen und Freunde. Ich selbst konsumiere sie sehr gerne. Diese Omiyage können unterschiedlich sein, allerdings kann man alle essen. Meist ist es irgendein Gebäck gefüllt mit etwas. Beispielsweise hatte ich mal ein Gomatamago ('Sesamei') Es war ein weicher Teig ,gefüllt mit Sesampate und in Eiform gepresst. Lecker. Nun, wenn man also eine Reise in Japan macht sollte man auch was Mitbringen, gehört zum guten Ton. Weil alle Japaner das aber tun hat sich ein Markt in den Bahnhöfen gebildet, wo man die immer in Schachteln verpackten Leckereien exklusiv und teuer verpackten Omiyage erwerben kann. Ich musste für mein Büro UND meinen Handballclub einkaufen und kam auf etwa 40 Euro für 3 Schachteln. (Wenigstens sind sie gut angekommen) Hier ein Foto. Die äußerste Verpackung ist schon weg.

Als letzten Kraftakt haben wir uns dann die andere Seite des Shinjuku-Bahnhofs ausgesucht, da sollte dann noch ein Amüsierviertel sein. War es auch, etwas rötlicher als Roppongi, viel japanischer mit Anwerbern und komischen Läden. Naja, eigentlich zu erschöpft mit schmerzenden Beinen und Füßen dann zur Bushaltestelle und auf den Bus gewartet. Der stellte sich zwar als komfortabeler als der erste heraus, mit Schlafvisieren, Schlaf war bei mir jedoch Fehlanzeige. Donnerstag sind wir dann um 6h in Sendai angekommen, noch nen Stündchen aufn Bis gewartet und dann nach Hause. Ich war erst am Samstag nachmittag wieder richtig fit, zumal ich mir in den viel zu kalt klimatisierten U-Bahnen ne Erkältung eingefangen hatte. Samstag abend war ich dann aufm Konzert, Vidoll, die auf dem besten Weg sind meine neue Lieblingsband zu werden. War also auch sehr nett.

So schnell etwas in Eile fertiggeschrieben. Ich bin etwas unter Druck. Zum einen musste ich heute noch an einem kleinen Report für die Uni rumwerkeln, allgemein hab ich dann noch ein bisschen im Büro für den morgigen 'Open-Campus' ausgeholfen. Und morgen früh gehts bis donnerstag abend nochmal nach Nikko, einen Onsen und Nissan (wenn mich nicht alles täuscht die Autofabrik). Also davon werdet ihr sicherlich auch noch erfahren.

Bye

Ende Der Glutkessel

Der Glutkessel - Roppongi Night Hustle (3und 4)

Nachdem wir schon morgens unsere Unterkunft wieder im Kapselhotel gesichert hatten konnten wir beruhigt in den Tag starten. D.h. bis um 10 mussten wir raus sein für das Putzkommando. Wir haben dann den ganzen Tag damit verbracht nach 2 ausgeschriebenen Geschäften im Reiseführer zu fahren/suchen/stöbern. Das war nicht ganz sooo berauschend, sind dann am Abend in Akihabara gelandet und haben beschlossen was besseres für den Abend zu suchen. Obwohl wir uns beide darauf geeinigt hatten auf keine Party zu gehen (die Tage haben schließlich ordentlich an der Substanz gezehrt) wollten wir uns dennoch nicht einen kleinen Einblick entgehen lassen und zumindest das dafür verantwortliche Viertel aufsuchen - Roppongi.
Also hin da. Wir haben an der U-Bahnstation allerdings dann den falschen Ausgang genommen, was sich aber als Glücksgriff herausstellte: Wir standen in einem komplett neu designten Viertel, sauber und schön...und nur Yuppies. Egal sah ja gut aus und man hatte auch auf einer dunklen Seitenstraße mitten in der Nacht irgendwie das Gefühl, das man garnicht ausgeraubt werden konnte.

Die Gegend spiegelt wohl den Spielplatz für Tokyos gut betuchte Jugend da. Das Viertel Roppongi-Hills befand sich auf einem, oh Überraschung, Berg. Mit Eigentumswohnungen mit dem besten Blick über Tokyo. Das höchste dieser Gebäude konnte man für eine Gebühr hochfahren, was wir auch später gemacht haben, auch hier wieder alles durchdesigned. Mit Bar und Aquarien, etwas dekadent.

Naja wir wollten natürlich noch das Roppongi sehen, welches wir erwartet hatten sehen. Nachdem wir durch einige ruhige Seitenstraßen getendelt waren, kamen wir auf die Straße des Geschehens. Noch bevor wir um die Ecke gebogen waren, hörte ich auf einmal nebenmir im perfekten Englisch eine Stimme etwas schmierig sagen: 'You' re looking for a club? ...We have a club with many girls from many countries. A place to drink? You want fun, alcohol, sex? We have 45 girls in our club.'
Nachdem ich ihn abgewimmelt hatte musste sich Phil gegen einen anderen Anwerber wehren, der ihn mit 'Hey bro, what's up?' und Handschlag begrüßte. Wir sind dann noch ein bisschen die Straße auf und ab und dann zurück. War trotzdem oder grade weil sehr interessant. Zumal Prostitution in Japan eigentlich verboten ist.

Soo der nächste Tag war Montag, Tag des Meeres und somit Feiertag. Wir sind erstmal etwas durch Shibuya gewandert und haben die Seitenstraßen angeschaut, danach haben wir uns aufgeteilt, ich wollte nochmal nach Harajuku, hatte am Samstag nicht alles geschafft. Phil is weiter durch Shibuya wo er durch einen Zufall Mathias getroffen hat, einen meiner Kommilitonen hier! Naja ich war nach meiner erneuten Einkaufstour körperlich und psychisch am Ende, wer schonmal alleine durch eine japanische Einkaufsstrasse gelaufen ist weiß warum. Naja nachdem wir uns wieder getroffen hatten besichtigten wir noch andere Teile Harajukus, die alle sehr stylisch und sauber waren. Wir landeten wieder bei der C.C.Lemon Hall, der Halle mit dem Konzert am Samstag. Wir gingen in den anliegenden Yoyogi-Park und ruhten uns nochmal aus, wobei wir so geschafft waren das es nur noch für die Rückfahrt zur Kapsel gereicht hat. Aus dem Weg zurück kam jedoch aus einer Ecke des Parks irgendeine Elektromusik (hörte sich nicht schlecht an). Wir folgten ihr und sahen das sich in dieser Ecke einige Menschen zu einer Party zusammengefunden hatten, mit DJ und großen Boxen und kein Eintrittsgeld, einfach so da. Genau wie das Fußball- und Basketballfeld, welche an diesem heißen Abend von einigen Jugendlichen zu einem entspannenden Abendfüller geworden waren.

Donnerstag, 24. Juli 2008

Der Glutkessel - Besser gehts nicht

Tag 2 war wie ich am Ende der Reise resümierte der Beste. Er begann damit das wir aus dem Hotel raus mussten und nun wieder obdachlos waren -egal, Gepäck in ein Schließfach und ab nach Mitaka, etwas außerhalb zum Ghibli-Museum. Das hatte ich vor drei Jahren bereits besucht und in mein Herz geschlossen. Wir hatten zufällig für den Tag Tickets bekommen, an dem der neue Film in den Kinos anlief, leider gab es aber keine Sondervorstellung dazu im Museum. Also wir waren dann um 10h im Museum und es war genau wie vor 3 Jahren schon einfach grandios mit Mini-Film exklusiv für das Museum und die ganze Anlage an sich. Auch der Museumsshop wurde von uns geplündert.
Danach haben wir einen nahen Park besichtigt. Wo ich dieses kleine Kunststück aufnehmen konnte (falls man es nicht erkennt, er macht mit einem Handschwung einen Knoten in das Seil).
Weil die Sonne so schön schien (seeeehr heiß) beschlossen wir einen Abstecher nach Harajuku zu machen. Ein Stadtteil der vor allem für junge, ausgefallene Mode steht. Der Stadtteil auf den ich mich am meisten freute. Angekommen an der Harajuku-Station sah ich genau das was ich mir erhofft hatte: eine kleine, volle Einkaufsgasse mit unwirklichen Geschäften und Leute in den ausgefallensten Outfits. Wir kämpften uns einmal durch die Gasse, am Ende davon war ich erschöpft und arm. Wie genau ist das passiert?
Ich steuerte einen von den ausgefallenen Läden an und eine Treppe führte mich in einen wohl der kleinsten von Ihnen: ca. 1,5m breit und 3 Meter lang, selbst ohne Rucksack eine Herausforderung sich umzudrehen. Eine der beiden Verkäuferinnen (eine ca. 50 Jährige) kam sofort mit wildem Englisch auf mich zu. Ich dachte mir noch wie unjapanisch sie ja sei, doch es wurde schlimmer. Ich wollte eine Hose kaufen in einem bestimmten Stil. Nachdem ich das dieser nun langsam etwas kratzbürstigen Dame erklärt hatte wurde ich mit der Hose in der größten (natürlich) vorhandenen Größe in die Umkleide gepfercht. Nun ja die Hose war so japanisch klein das ich nicht mal den Reisverschluss zu bekam. In dem Moment öffnet die Verkäuferin, die ich mitlerweile nun schon für echt kultig hielt , den Vorhang der Kabine, guckt mich an, sieht das ich den Reisverschluss nichtmal zubekommen hatte und haut mir auf meinen nackten Bauch und verklickert mir in sehr direktem Japanisch ich solle doch mal ne Diät machen. ...
...
...
...
Ich glaube es war in diesem Moment, nachdem ich den Schock überwunden hatte natürlich, als ich sie unter ‘legendäres Original’ in meinem Kopf abspeicherte. Sie drehte das Verhältnis Kunde-Verkäufer einfach um. Und das in Japan. Ich muss immer noch jedesmal an sie denken wenn ich irgendwas esse, absolut prägend.
Ich kaufte in dem Laden wenigstens ein Hemd. Dann erfuhr ich nebenbei, das eben diese Verkäuferin die Designerin der Klamotten war und so ziemlich alle berühmten japanischen Visual Kei Bands bereits ausgestattet hatte (Dir en grey, Mucc, Sugizo, Gazette, AnCafe,etc). Ich bat sie noch um ein Foto, aber das machte sie nur von mir, immerhin in dem Laden.
Das Geschäft war ungefähr in der Hälfte der Straße, den 2. Teil bekam ich, immer noch vollkommen benommen von dem Ereignis, nicht wirklich mit. Erst als die Szenerie wechselte und wir auf einmal in einer Straße mit lauter Musikern standen schaltete mein Gehirn wieder langsam auf Normalbetrieb. Wir landeten danach auf einmal vor einer Konzerthalle, mit der Art von Gefolge, wie ich es nur von Visual Kei Events kenne. Also war ich richtig. Es stellte sich heraus das später noch LM.C spielen sollten (natürlich schon lange ausverkauft). Aber wir schauten uns das farbenfrohe Spektakel vor der Halle rund 1 ½ Stunden an, wobei ich wohl der einzige Auswärtige war, der einigermaßen wusste was da passierte. So habe ich beispielsweise andere Touristen vorbeigehen sehen, die sehr überfordert schienen. Ich habe wenig Fotos gemacht, aber die wollte ich jetzt nicht hochladen. Wer das sehen will soll mich anschreiben.
Danach sind wir noch in ein Kaufhaus namens ‘Kiddy-Land’ gegangen, welches es immerhin in den Reiseführer schaffte. 6 oder 7 Stockwerke voll mit Merchandise, sei es Ghibli, Disney, Snoopy, Mumins oder irgendwelches Anime Gedöns, hier konnte man es bekommen. Als wir rauskamen war es ca. 21h und wir wurden nervös da wir schließlich kein Hotel hatten. Aber der perfekte Tag wäre nicht perfekt gewesen wenn sich nicht auch da eine Lösung angeboten hätte. Wir konnten im Reiseführer ein anderes günstiges Kapselhotel ausfindig machen, riefen an und freuten uns danach über die Reservierung. Also hin. Im Gegensatz zu meiner Vorstellung war es aber nicht so spacig, sondern eher gebraucht, dennoch ein Erlebnis. Es gab jedenfalls dort ein heißes Bad in Onsenmanier im 9 Stock, wo wir dann jeden Abend waren um danach bei Eiswasser auf der Terrasse den Blick über die Stadt zu genießen. Die Kapseln waren nicht das bequemste, dennoch vollkommen ausreichen und besser als jede Parkbank.

Ende (perfekter) 2.Tag

Der Glutkessel - Tag 0 und 1

So wie bereits angedroht folgt nun ein kleiner Reisebericht aus der Hauptstadt der Japaner, der Stadt ohne Ende, der Ort wo man niemals alleine ist...TOKYO.
Wir (Phil und ich) sind am Donnerstag los zum Bahnhof in Sendai, wo unser Nachtbus abfuhr. Der bot allerdings keine erholsame Nacht sondern mangelnder Beinfreiheit einige Nervenaufreibende Stunden. So kamen wir erschöpft und vollkommen müde um 5:30 in Shinjuku (lebhafter Stadtteil Tokyos) an. Was wir zu erst um 5:30h feststellten: es ist HEIß!!!! Da die ganze Stadt aber noch geschlafen hat wollten wir uns jetzt erst einmal eine ausgewählte Unterkunft sichern, welche ein Kapselhotel in Shibuya (anderer lebhafter Stadtteil) darstellte. Dort angekommen merkten wir schnell, dass die letzte Nacht in diesem Viertel ihre Spuren hinterlassen hatte, es roch nach Urin und Müll, welcher von Krähen über die Straße verteilt wurde- einfach herrlich. Am Hotel angekommen wurde uns dann gesagt, dass man keine Nächte im voraus reservieren könne - Mist. Also schlossen wir das Gepäck weg und begaben uns dann erstmal in die Yamanote U-Bahn, wo wir erstmal etwas Schlaf nachholten (da die Bahn im Kreis fährt ist das auch kein Problem). Nun war es mittlerweile schon 8h und von der Benutzung der Yamanote um diese Uhrzeit wird eigentlich immer abgeraten, naja wir hatten ja unsere Sitzplätze und schauten zu wie sich Ströme von Japanern in der Bahn zu einem massiv zusammengequetschtem Pulk vereinten. Den Vormittag verbrachten wir dann mit einer Hotelsuche, welche nach mehreren Fehlschlägen doch noch zumindest für eine Nacht von Erfolg gekrönt war. Ich handelte mit der Dame ein Doppelzimmer mit getrennten Betten aus (per Telefon). Nachdem wir dann das kleine Hotel aber gefunden hatten stellte sich nach der Bezahlung heraus, das wir ein kleines Zimmer hatten, mit EINEM Doppelbett... (ich muss sagen, dass die Nacht auf dem Fussboden mit erstaunlich viel Schlaf versehen war). Wir waren dann noch schnell nen Abstecher in Akihabara machen und danach zum Tokyo Tower, eine größere Kopie des Eiffelturms.
Witzige Anekdote: Im Zug zurück sah ich dann an einer Haltestelle genau im Haus gegenüber einen Kickbockskampf. Anscheinend irgendein Training. Ich hab erstmal mit meiner Camera draufgehalten. Dabei habe ich allerdings eine Gruppe älterer (45/50) Japanerinnen in Aufregung versetzt, bis ich Ihnen erklären konnte, dass ich nur den Boxkampf gefilmt hatte und nicht sie. Sie saßen nämlich in der Bahn gegenüber. Jetzt wo für sie die ‚Bedrohung‘ vorbei war begann sich nun die Gruppe für uns zu interessieren und ich habe aus dem Augenwinkel bemerkt, wie sie uns alle anstarrten. Ich hatte in der Zwischenzeit eine Tüte Bonbons geöffnet und war nun, etwas genervt von den Blicken, so dreist ihnen die Bonbons anzubieten. Immerhin eine langte zu und gab mir im Gegenzug einen Sesamcracker. Dann fummelte sie an ihrem Koffer rum suchte einen Fächer raus, welchen sie mir dann auch noch bereitwillig schenkte. Spätere Untersuchungen ergaben, dass der Fächer auf keinen Fall billig war, weil es sich um echte Seide handelt. Jedenfalls danke unbekannte Japanerin.
Koffer holen und dann ab ins Hotel.
Im Hotel zurück schalteten wir den Fernseher ein. Es lief ‚Tonari no Totoro‘ ein Klassiker aus dem Filmstudio Ghibli, bei dem wir für den nächsten Morgen Tickets hatten.
Tag 1 Ende.

Mittwoch, 16. Juli 2008

Von Sushi, Bikern und Klausuren

So Guten Morgen!
Ich bin grade aufgestanden, es ist Donnerstagmorgen und heute Abend fährt mein Bus um 23h nach Tokyo. Ich wollte jetzt nur noch mal schnell updaten, bevor ich mich ins Abenteuer stürze. Schließlich haben wir noch nicht mal ne Hotelreservierung ;)
Also letzte Woche war ich Kochen. Eine Gruppe von interessierten Japanern und ein paar Ausländern machte sich daran die Spezialitäten aus Korea, Deutschland, China, Moldawien und Japan zu meistern. Ich wurde der 'Japan-Sektion' zugeteilt und war somit für die Wicklung von Sushi-Röllchen verantwortlich. War aber ganz interessant. Auch wenn ich die chinesische Gruppe um ihr 'Gyoosa' beneidet hab. Das sind so Teigtaschen gefüllt mit Fleisch und Kräutermischungen, etwas wie Maultaschen und unheimlich lecker. Naja gegen Ende konnte ich bei dieser Gruppe jedenfalls doch noch aushelfen. Naja da man das Kochen nicht so toll beschreiben kann, lass ich es auch weg und ersetze es durch Bilder. Was noch zu erwähnen wäre ist, das dort ein Kamerateam die ganze Aktion gefilmt hat, ich durfte sogar ein kleines Interview geben...vielleicht war das mein Durchbruch auf dem Weg zum Superstar ;)

Am Abend war ich dann inner Innenstadt. Es gibt dort einen Ort, wo sich alle Leute treffen bevor sie in den vielen Kneipen verschwinden. An diesem Ort bin ich sehr gerne, man kann dort viele interessante Menschen beobachten. Was ich dieses Wochenende allerdings gesehen habe, hat meine kühnsten Erwartungen überschritten: Wir standen da und sahen dann auf einmal nen Typen mit einer Tigermaske, Oberkörper frei und eine Leggins dazu. Daneben steht sein Rivale ebenfalls oben blank und Leggins. Diese schmückt seinen Hintern mit dem aussagekräftigem Wort 'Dynamite', auf welches er auch gerne hinweist. Die dritte Person des Spektakels ist ein Kerl mit weißem Hemd, welcher sich später als Ringrichter herausstellen sollte. Denn ja, diese beiden lieferten einen 20 Minütigen Showkampf im Wrestling, mitten in der Fußgängerzone ab. Grandios, unter dem Applaus von vielen stark angetrunkenen Japanern konnte sich der Tigermann mit einem gekonntem Mannöver den Sieg sichern.

So nun mal zu einer Gruppe die mich hier besonders fasziniert: Biker. Das Motorrad ist hier sehr beliebt. Dabei gilt je prolliger, desto besser. Der japanische Biker trägt grundsätzlich keine Schutzkleidung, nur den vorgeschriebenen Helm. Dieser erinnert aber meistens eher an ein Gebetskäpchen anstatt einen Schutzgegenstand. Das Kinn wird so gut wie nie geschützt, dafür ist das Design des Helms immer exklusiv, ob pink oder schwarz, mit Sternen oder karriert es gibt alles. Sogar alte Helme der SS wurden schon gesehen. Der Japaner trägt dazu meistens eine Kippe, manchmal eine Fliegerbrille und Schal und ein T-Shirt. Wenn man also ein Bike hört lohnt es sich im jeden Fall zu gucken, da man meist was geboten bekommt. Den coolsten Biker den ich je gesehen habe trug einen kleinen schwarzen Helm, ein schwarzes Halstuch und ein weißes T-Shirt. Was hat ihn so unglaublich cool gemacht? Es hat geregnet und zwar richtig.

So gestern hatte ich meine Abschlussklausuren in Japanisch, während ich mit dem Grammatik Test einige Problemchen hatte, verlief der Kanji Test überraschend einfach. Ich warte erstmal die Ergebnisse ab. Heute muss ich auch noch mal wegen einer Spezial-Vorlesung nochmal in die Uni, danach gehe ich mit meiner Privat-Japanischlehrerin in das Gyoosa Restaurant in der Nähe meines Wohnheims...und dann ab nach T O K Y O

vor dem Test...

nach dem Test...
eine unserer 3 Lehrerinnen

also ich bin nun erstmal ne woche nicht erreichbar,
melde mich dann wieder, Donnerstag komm ich zurück
bis dann

Samstag, 5. Juli 2008

japanische Straßensoziologie

Ihr habt es gemerkt, ich blogge nun weniger. Woran das liegt? Ich nehme an das dies ein Zeichen dafür ist, dass ich mich an den japanischen Alltag gewöhnt habe und Sachen die mir vor 3Monaten aufgeallen wären nun teilweise selbstverständlich oder normal sind. Ob es nun übermäßig braungebrannte Japanerinnen sind oder Typen mit langen hochegbogenen Schuhen und kompliziertesten Frisuren, weshalb ich ihnen den Spitznamen 'Löwen' (wegen der Mähne) hab zukommen lassen. Alles scheint nun normal und ich frage mich jetzt schon ob es auf der Straße in Deutschland nicht langweilig wird wenn ich zurückkehre.

Doch ab und zu fällt einem doch noch was auf und ein spezieller Mann letzte Woche versetzte mich doch etwas in Angst und Schrecken: Wir kamen aus der Stadt, mitten am Tag und gingen durch ein gutes Viertel, dann sahen wir jenen Mann am Straßenrand stehen, telefonierend mit Handy. Er war um die 50, trug einen schwarzen Anzug, eine schwarze Sonnenbrille, rasierter Schädel und ein lässig aufgeknüpftes Hemd. Insgesamt würde ich sein Aussehen als Gangster-Like beschreiben. Nun schauten wir aber genauer hin, weil er irgendwie trotz dieser relativ alltäglichen Kleidung irgendwie auffiel. Da fiel uns auf: das Hemd, welches ja bis zur Brust aufgeknöpft war zeigte am untersten Rand einen kleinen Teil eines riesigen roten Tatoos, welches man nur erahnen konnte. Jetzt war die Sache eindeutig: Männer in diesem Alter in Japan mit einem Tatoo, das wahrscheinlich den ganzen Oberkörper umspannte sind Mitglied der Yakuza, der japanischen Mafia. Wir haben also beide sofort unsere Köpfe weggedreht und gehofft nicht zu lange gestarrt zu haben. Da sich das letzte Woche abspielte und ich immer noch lebe denke ich das er uns nicht bemerkt hat ;)

So nun etwas von gestern (Samstag). Wir aßen grade was in der Stadt, da vielen uns drei Typen in Anzügen auf, etwas schmierig. Sie standen mitten in der Fußgängerzone. Mein Tipp war das es irgendwelche Anwerber für zwielichtige Filme waren oder sie selbst nur auf ihren Spaß aus waren. Wir haben sie also beobachtet, weil sie ja doch irgendwie interessant wirkten. Nebenbei sei bemerkt, dass es in Japan wohl so wirklich einen bestimmten 'Anmachertyp' gibt, sie warten an belebten Orten um dann Frauen ihrer Wahl mit stets den gleichen Sprüchen für sich zu gewinnen. Die Erfolgsquote kenn ich nicht, aber ich habe einen dieser ominösen Vorgänge (jedenfalls glaube ich das) beobachten können: der verlief mit einer kompletten Ignorierung von der Frau. Naja, das scheint jedenfalls nicht immer der Fall zu sein, Gerüchte besagen, dass es in Tokyo oder Osaka sogar Straßen gibt, die nur zu diesem Zweck betreten werden: die Männer hocken sich an die Seite und die Frauen gehen mit der Absicht hindurch angemacht zu werden. Erinnert an Viehmarkt-Ambiente. Aber zurück zu den Typen gestern: es passierte 10 Minuten lang nix, doch dann ging alles recht schnell, zwei Mädels maschierten vorbei, die drei guckten sich an, und der den wir vorher als Meister ausgemacht hatten, folgte den beiden und sprach sie an. kam jedoch nach kurzer Zeit zurück, empfangen vom Gelächter seiner Kollegen. Ob er für sich oder eine schmierige Filmproduktionsfirma gearbeitet hat werde ich wohl nie erfahren.

Jetzt zu etwas ganz anderem: ich habe gestern Hamburger gegessen, eigens produziert, nicht ganz so gut wie in Deutschland, aber trotzdem sehr gut. Und ja das Bild ist nicht verzerrt, sie sind wirklich so klein ;)
Ansonsten was steht bei mir an: dieses Wochenende werde ich wohl heute (Sonntag) noch mal meinen Lieblingsladen (Kera-Shop ->the One) in der Stadt aufsuchen und vom Ausverkauf profitieren, weil das hier auch ein richtiger ausverkauf ist, ich konnte gestern beriets einen kleinen Rucksack für fast die Hälfte ergattern. Nächstes Wochenende werde ich zusammen mit meiner CP (Conversation-Partnerin, ich werde sie nur noch CP nennen von jetzt an), Kanako, und einer Auswahl noch nicht feststehender Leute zum Internationalen Kochen gehen. Vielleicht kann ich da mal mein Können beweisen, nicht beim Kochen, sondern eher beim Essen. Danach ist vielleicht noch Karaoke, aber das steht in den Sternen. Nebenbei plane ich Reisen: Mitte Juli gehts 6 Tage nach Tokyo, am Ende des Monats wohl 2 nach Nikko (alte Hauptstadt). Und für September plane ich eine riesen Rundreise, dessen Planung aber noch nicht abgeschlossen werden kann, da mein Reisepartner Philipp noch Sachen mit der Uni klären muss. Aber soweit wir es nun geplant haben sind da nur echte Perlen bei, eventuell auch eine Tropeninsel.

Was ich vergessen habe: ich habe ein neues Rot im Haar, so wie in Deutschland letztes Jahr, allerdings an 3 verschiedenen Stellen. Das färbt leider etwas ab, ich hoffe das legt sich, denn ich habe Angst um meine schicken weißen Hemden, nicht das die so Aussehen wie mein Kopfkissen jetzt.

Da ich mich grade in Schreiblaune befinde hier noch ein kleiner Absatz zu Regensaison: Es ist warm, aber viel schlimmer, böse schwül. Man muss sich nicht mal bewegen um zu schwitzen, ein Problem, denn Japaner scheinen über keinerlei Schweißdrüsen zu verfügen, schon peinlich wenn man daneben steht mit durchgeschitztem TShirt UND Hose. Ich konnte mir von meiner Hausverwaltung gratis einen Luftentfeuchter ausleihen (für den ganzen Sommer), der hat an diesem Wochenende schon geschätzte 10 Liter aus meinem Zimmer gezogen, allerdings ist es immer noch abartig schwül, d.h. ich schwitze auch grade beim Schreiben.

So nun ist aber Schluss, ich brauch nen kalten Saft ;)

Tschöööö