Donnerstag, 24. Juli 2008

Der Glutkessel - Besser gehts nicht

Tag 2 war wie ich am Ende der Reise resümierte der Beste. Er begann damit das wir aus dem Hotel raus mussten und nun wieder obdachlos waren -egal, Gepäck in ein Schließfach und ab nach Mitaka, etwas außerhalb zum Ghibli-Museum. Das hatte ich vor drei Jahren bereits besucht und in mein Herz geschlossen. Wir hatten zufällig für den Tag Tickets bekommen, an dem der neue Film in den Kinos anlief, leider gab es aber keine Sondervorstellung dazu im Museum. Also wir waren dann um 10h im Museum und es war genau wie vor 3 Jahren schon einfach grandios mit Mini-Film exklusiv für das Museum und die ganze Anlage an sich. Auch der Museumsshop wurde von uns geplündert.
Danach haben wir einen nahen Park besichtigt. Wo ich dieses kleine Kunststück aufnehmen konnte (falls man es nicht erkennt, er macht mit einem Handschwung einen Knoten in das Seil).
Weil die Sonne so schön schien (seeeehr heiß) beschlossen wir einen Abstecher nach Harajuku zu machen. Ein Stadtteil der vor allem für junge, ausgefallene Mode steht. Der Stadtteil auf den ich mich am meisten freute. Angekommen an der Harajuku-Station sah ich genau das was ich mir erhofft hatte: eine kleine, volle Einkaufsgasse mit unwirklichen Geschäften und Leute in den ausgefallensten Outfits. Wir kämpften uns einmal durch die Gasse, am Ende davon war ich erschöpft und arm. Wie genau ist das passiert?
Ich steuerte einen von den ausgefallenen Läden an und eine Treppe führte mich in einen wohl der kleinsten von Ihnen: ca. 1,5m breit und 3 Meter lang, selbst ohne Rucksack eine Herausforderung sich umzudrehen. Eine der beiden Verkäuferinnen (eine ca. 50 Jährige) kam sofort mit wildem Englisch auf mich zu. Ich dachte mir noch wie unjapanisch sie ja sei, doch es wurde schlimmer. Ich wollte eine Hose kaufen in einem bestimmten Stil. Nachdem ich das dieser nun langsam etwas kratzbürstigen Dame erklärt hatte wurde ich mit der Hose in der größten (natürlich) vorhandenen Größe in die Umkleide gepfercht. Nun ja die Hose war so japanisch klein das ich nicht mal den Reisverschluss zu bekam. In dem Moment öffnet die Verkäuferin, die ich mitlerweile nun schon für echt kultig hielt , den Vorhang der Kabine, guckt mich an, sieht das ich den Reisverschluss nichtmal zubekommen hatte und haut mir auf meinen nackten Bauch und verklickert mir in sehr direktem Japanisch ich solle doch mal ne Diät machen. ...
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Ich glaube es war in diesem Moment, nachdem ich den Schock überwunden hatte natürlich, als ich sie unter ‘legendäres Original’ in meinem Kopf abspeicherte. Sie drehte das Verhältnis Kunde-Verkäufer einfach um. Und das in Japan. Ich muss immer noch jedesmal an sie denken wenn ich irgendwas esse, absolut prägend.
Ich kaufte in dem Laden wenigstens ein Hemd. Dann erfuhr ich nebenbei, das eben diese Verkäuferin die Designerin der Klamotten war und so ziemlich alle berühmten japanischen Visual Kei Bands bereits ausgestattet hatte (Dir en grey, Mucc, Sugizo, Gazette, AnCafe,etc). Ich bat sie noch um ein Foto, aber das machte sie nur von mir, immerhin in dem Laden.
Das Geschäft war ungefähr in der Hälfte der Straße, den 2. Teil bekam ich, immer noch vollkommen benommen von dem Ereignis, nicht wirklich mit. Erst als die Szenerie wechselte und wir auf einmal in einer Straße mit lauter Musikern standen schaltete mein Gehirn wieder langsam auf Normalbetrieb. Wir landeten danach auf einmal vor einer Konzerthalle, mit der Art von Gefolge, wie ich es nur von Visual Kei Events kenne. Also war ich richtig. Es stellte sich heraus das später noch LM.C spielen sollten (natürlich schon lange ausverkauft). Aber wir schauten uns das farbenfrohe Spektakel vor der Halle rund 1 ½ Stunden an, wobei ich wohl der einzige Auswärtige war, der einigermaßen wusste was da passierte. So habe ich beispielsweise andere Touristen vorbeigehen sehen, die sehr überfordert schienen. Ich habe wenig Fotos gemacht, aber die wollte ich jetzt nicht hochladen. Wer das sehen will soll mich anschreiben.
Danach sind wir noch in ein Kaufhaus namens ‘Kiddy-Land’ gegangen, welches es immerhin in den Reiseführer schaffte. 6 oder 7 Stockwerke voll mit Merchandise, sei es Ghibli, Disney, Snoopy, Mumins oder irgendwelches Anime Gedöns, hier konnte man es bekommen. Als wir rauskamen war es ca. 21h und wir wurden nervös da wir schließlich kein Hotel hatten. Aber der perfekte Tag wäre nicht perfekt gewesen wenn sich nicht auch da eine Lösung angeboten hätte. Wir konnten im Reiseführer ein anderes günstiges Kapselhotel ausfindig machen, riefen an und freuten uns danach über die Reservierung. Also hin. Im Gegensatz zu meiner Vorstellung war es aber nicht so spacig, sondern eher gebraucht, dennoch ein Erlebnis. Es gab jedenfalls dort ein heißes Bad in Onsenmanier im 9 Stock, wo wir dann jeden Abend waren um danach bei Eiswasser auf der Terrasse den Blick über die Stadt zu genießen. Die Kapseln waren nicht das bequemste, dennoch vollkommen ausreichen und besser als jede Parkbank.

Ende (perfekter) 2.Tag

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

wow - selbst wenn ich nur den bericht lese, werd ich schon neidisch ;)
was mich gerade total kirre macht.. ich schau mir grad das video von dem knoten-menschen in dauerschleife an und hab dazu bei uns aufm stream grindcore laufen.. und es passt einfach so perfekt zusammen xD

auch wenn der tag wohl nicht mehr getoppt wird, freu ich micht auf den restlichen bericht :)