Ich bin ja am Montag nach Tokyo gefahren, diese Morgens-früh-los-und-über-Nach-zurück-Taktik hatte sich ja als weniger anstrengend als befürchtet herausgestellt. Also morgens früh aufgestanden, zum Busbahnhof geradelt, eingestiegen und weitergeschlafen. Für die letzte Stunde der Fahrt musste dennoch die PSP herhalten. Ich bin in Shinjuku ausgestiegen und erstmal was essen gegangen. Der Einlass für das Konzert sollte um 17:00 beginnen, diesmal in de JCB-Hall, mitten in der Stadt (ich meine Zentrum). Also hatte ich diesmal nicht allzu viel Zeit (aber für meinen Zweck genug). Und ich hatte ja nur ein Ziel bevor ich dort hinging. Ich spreche natürlich von jenem Laden in Harajuku...
Ich hatte schon mein Konzert Outfit an , also den Pullover den mir meine Peinigerin seinerzeit verkauft hatte. Also bin ich mit der Bahn zur Harajuku-Station und stürzte mich in die Menge. Und begab mich sofort in den Laden.
Es war genauso wie beim letzten Mal im Dezember: Ich ging die Stufen runter, sah noch einen Kunden +Anhang (und damit war der Laden restlos ÜBERFÜLLT) und die Assistentin, die wieder telefonierte. Kurz geblendet von der Ähnlichkeit der Situation in dem Geschäft wie einige Wochen zuvor, ließ mich etwas auf einmal wieder wachrütteln: zunächst war es nur die Stimme und dann tauchte sie auf einmal mit ihren kurzen, stachlig-geformten Haaren hinter ihrer Asisstentin auf: Meine Peinigerin. Und starrte mich auch gleich durch ihre Brille an. Genau wie bei meinem ersten Besuch fing sie dann auch sofort wie ein Wasserfall auf Englisch loszurattern was ich denn suche, ihre Assistentin kümmerte sich derweil um die anderen Kunden. Da der Laden aber nunmal wirklich klein ist (ca 2 1/2 Umkleidekabinen) und man nicht aneinander vorbeigehen konnte, schrien alle wild durcheinander, was nicht grade zu meiner Entspannung beitrug. Ich hatte mir schon letztes Mal ein Shirt ausgeguckt und sagte ihr, dass ich das haben möchte. Sie wiederum nagelte mich erneut fest, wühlte sich durch zu mir und sprach in einem nie dagewesenem Chaos mit mir, dem Kunden, deren Anhang und ihrer Assistentin gleichzeitig über mehrere Themen. Allerdings in ihrem geschilderten scharfen Ton. Ich glaube sie ist die erste Person die ich auf anhieb mit einem Drachen assozieren würde.Sie fragte mich ob ich denn schonmal in ihrem Laden gewesen wäre und was ich denn gekauft hätte. Ich zeigte ihr also meinen Pullover, aber sich wirklich zu erinnern schien sie nicht. Nachdem ich dir dann ein paar mal gesagt hatte was ich denn wollte und einem weiteren Gespräch ihrerseits mit ihrer Assistentin tastete sie mich ab (!). In einem Ton, den ich im Vergleich zu einer normalen japanischen Verkäuferin als 'pöbelnd' bezeichnen würde, forderte sie mich auf meine Jacke auszuziehen, damit sie mich besser betrachten könnte. Ich kam dem nach und nach einer weiteren Diskussion mit ihrer Assistentin über meinen Kopf hinweg sagte sie mir immer noch auf Englisch, dass es wohl passen würde.
Ich hatte wiederum festgestellt das ich nur noch ca. 20 Euro hatte und einen Geldautomaten brauchte (Kartenzahlungen in Japan sind ne Sache für sich). Ich sagte ihr also auch, dass ich das Shirt nehme aber erst noch Geld holen müsste. Darauf packte sie mich und gab mir eine Wegbeschreibung. Ich holte etwas Geld. Zurück im Laden war mittlerweile wieder ein Kunde plus Anhang, welchen sie nun 'beriet'. In einer Pause, in der die Assistentin grade etwas zurechtzupfte, sagte ich der Designerin, dass ich mich noch etwas umschauen werde. Die Kundin probierte grade eine Hose an und da meinte sie (die Peinigerin) doch glatt, das mir diese Hose doch auch gefallen müsse, was sie wieder dazu veranlasste mit ihrer Assistentin Gespräche über meine Größe zu starten. Dann habe ich ihr in einer weiteren Pause verklickert, dass sie mich letztes mal in eine Diät gezwungen hat und ich ihr dafür irgendwie dankbar wäre, da hat sie sich echt gefreut und meinte, dass wir im Ausland sowieso zuviel Fleisch essen würden. Nachdem die Kundin und ihr Anhang verschwunden waren (es kam noch einer, der beiläufig von ihr beraten wurde) drängte sie mich quasi mit der Hose in die Kabine und meinte, dass ich ja eine andere Knochenstruktur hätte und sie mir die größte Größe (XL) geben würde. Mehr oder minder keine Wahl, probierte ich sie an. Ich mache hierbei nochmal drauf aufmerksam: das XL in Japan ist weit entfernt von dem in Deutschland. Ich tippe auf eine Weite von ungefähr 30, kann es aber nicht genau sagen, jedenfalls ziemlich eng. Ich war sehr erleichtert als ich den Knopf zu bekam und mir ein weiteres Schlüsselerlebnis erspart blieb. Als ich wieder aus der Umkleide kam (so klein, das ich mich mir Rucksack nicht in ihr drehen kann) war etwas Ruhe im Laden eingekehrt und ich hatte die volle Aufmerksamkeit beider Verkäuferinnen, die auch mittlerweile irgendwie netter geworden waren. Mittlerweile hatte ihre Assistentin ihr auch gesteckt , dass ich Japanisch verstehen würde, worauf sie mich Wasserfallartig in einem Wahnsinnstempo zulaberte. Ich verstand dann zwar nur noch die Hälfte, gewann aber spürbar an Sympathiepunkten, zumal ihr auch auf einmal wieder einfiel, dass ich aus Deutschland und Sendai komme. Von da an war die Situation im Laden entspannt. Ich musste zugeben, dass ich die Hose nun auch haben wollte. Also habe ich bezahlt, während mir die Peinigerin an meinem Hintern die Schilder herausschnitt, keine Berührungsängste - definitiv nicht. Ich wollte grade wieder in die Umkleide zurück, zog die Schuhe aus (ja man zieht die Schuhe für die Umkleide aus), da fauchte sie mich an warum ich denn die Schuhe ausziehe. Dann meinte sie ich solle unbedingt die Hose anbehalten mit der Begründung: 原宿だから (Harajuku da kara - Das hier ist Harajuku, man!). Dann fragte sie mich warum ich denn in Tokyo sei. Ich sagte ihr ich geh zu nem AnCafe Konzert. Da AnCafe aber einer der Künstler ist, die sie mal ausgerüstet hatte, wollte sie mir noch gleich von deren Stil geprägtere Kleidung aufschwatzen, was ich aber erfolgreich abwehren konnte. Wir verabschiedeten uns freundlich.
Danach ging ich zu dem nebensächlich gewordenen Konzert. War bunt, nicht schlecht aber auch nicht so gut wie in Sendai.
So das war der Bericht den ich euch noch geschuldet habe. Ansonsten gibts nur noch die Information, dass ich heute beim Frisör war und meine Haare nun kürzer sind, ich hab grad mal nen Foto mit meinem Handy gemacht:
byebye
2 Kommentare:
jaaa
ich freu mich drauf :D
Dann musste wohl noch weiter abspecken, damit die Hose bequem sitzt, wa? ^^
Haste das Konzert in der engen Hose denn gut überstanden?
Irgendwie hab ich mir deinen Besuch in dem Laden auch genau so vorgestellt.. frag mich nich wieso ^^
Na hauptsache hat sich gelohnt und du bist im Nachhinein nicht all zu verstört ;)
PS: Neue Frisur ist nicht so schlimm wie befürchtet xD
Ne, läuft... :)
Kommentar veröffentlichen